Die Wahrheit über den Aufstieg

Eintracht Braunschweig stieg am 26.04.2013 durch das schon jetzt legendäre Freistoßtor von Damir Vrancic in der Nachzeit in Ingolstadt in die 1.Bundesliga auf. Gründe dafür gibt es viele, die positive Entwicklung der Mannschaft und des gesamten Vereins hat vielfältige Gründe. Der wirklich entscheidende war aber bisher in keiner Printausgabe, in keinem Onlineauftritt und auch in keinem persönlichen Gespräch mit einem der Verantwortlichen zu finden.

Die FSV klärt auf.

Am 09.10.2012 um 18:30 Uhr trat Eintracht Braunschweig als noch ungeschlagener Spitzenreiter der 2. Liga in Rethen gegen die FSV Adenbüttel/Rethen an. Drei Tage zuvor hatte Eintracht gegen Bochum den siebten Saisonsieg eingefahren, die anderen beiden Spiele bis zum damals aktuellen 9. Spieltag gingen Unentschieden aus. Klar, ein guter Saisonstart für eine Mannschaft, die soweit oben keiner erwartet hatte und die erst im Spieljahr zuvor ihre erste Zweitligasaison erfolgreich hinter sich gebracht hatte.

Der einzig plausible Grund für diesen erfolgreichen Saisonstart kann ohne Wenn und Aber nur die Vorfreude auf die atemberaubende Atmosphäre des Rethener Sportplatzes gewesen sein, der passender Weise der Einfachheit halber Am Sportplatz in 38533 Rethen zu finden ist. Schon Tage zuvor berichteten die regionalen Zeitungen von diesem Event, auch ein überdimensional großer Termin auf der Homepage der Eintracht war zu finden. Die Region sprach von nichts anderem. Welchen Stellenwert dieses Spiel genoss, sah man schon bei der Anfahrt der Eintrachtmannschaft in Rethen. Die Zuschauer standen Spalier für den Mannschaftsbus, der strahlend sauber wirkte. Die Gerüche von frischer Bratwurst und knackiger Krakauer machte an diesem Abend genauso die Runde wie der Duft nach frischen Pommes. Das schon sehr alte, aber nicht müde werdende Scheinwerferlicht des A-Platzes in Rethen tat seines dazu, eine unvergessliche Stimmung aufkommen zu lassen. Wem das noch nicht genug war, der musste förmlich endgültig gefangen und begeistert sein von den Zuschauermassen, die sich an diesem geschichtsträchtigen Abend in Rethen eingefunden hatten. Ganz Papenteich hatte sich eingefunden, schon im Vorverkauf gingen die Karten weg wie warme Semmeln. Schnell noch mit einem eigens für dieses Spiel entworfenen Schal eingedeckt, wartete man auf die beiden Mannschaften.

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Zusätzliche Brisanz kam dem Spiel an diesem Abend zu, weil mit Henner Wesemann und Sebastian Reinecke zwei langjährige Führungsspieler der FSV ihre Karriere beendeten. Sebastian Reinecke war schon in einem ein paar Jahre zuvor ausgetragenen Spiel gegen die Eintracht dabei gewesen und im Kreis bekannt wie ein bunter Hund. Obwohl er Jahr für Jahr in zuverlässiger Regelmäßigkeit über 20 Tore schoss, war er immer für seinen Heimatverein aktiv gewesen. Leider machte sein Knie nach einer Verletzung die Strapazen des Kreisklassensports nicht mehr mit, sodass er sich ausgerechnet diesen Abend ausgesucht hatte, um ein letztes Mal gegen den Ball zu treten.

Zurück zu der Frage, warum Eintracht Braunschweig die Region in der Saison 2013/14 mit Erstligafußball begeistern kann. Nach einem kurzen gemeinsamen Foto beider Mannschaften begann das Spiel. Die FSV setzte Eintracht Braunschweig sofort unter Druck, ließ den Ball über eine, manchmal sogar zwei Stationen laufen, ehe es einen Fehlpass aufgrund der wie wirr herumlaufenden und deshalb überall ein Fuß dazwischen habenden Eintrachtspieler gab. Eintracht Braunschweig war sichtlich beeindruckt von dem Kurzpassspiel, was die FSV hier aufzog. Die FSV war fast ausschließlich mit Eintrachtfans besetzt, weshalb die Spieler zunehmend Rücksicht auf das Selbstvertrauen der Braunschweiger nahmen. Sie schalteten 2 Gänge zurück, Kritiker vermuteten neben der Sympathie für die Spieler des Gegners erste Konditionsprobleme bei der FSV nach dieser schwungvollen Anfangsphase. Nach endlosen vier Minuten traf Dominik Kumbela für Eintracht Braunschweig zum 1:0.

Dominik Kumbela? Genau, der diesjährige Torschützenkönig der 2. Liga. Von den FSV-Spielern sofort als verheißungsvollster Stürmer der Eintracht ausgemacht, wollte man ihm den richtigen Selbstvertrauenschub mit in die Saison geben, um dem positiven Abschneiden der Eintracht im richtigen Maße beitragen zu können. Obwohl man ihm auch im weiteren Verlauf immer wieder die Tür zu weiteren Treffern in der sonst in der Liga sehr sattelfesten (diese Saison nur 89, in Worten: Neunundachtzig Gegentore) FSV-Abwehr öffnete, trug sich Kumbela nur noch ein weiteres Mal in die Torschützenliste ein. Mehr Probleme machte der FSV ein anderer. Jonas Erwig-Drüppel, in der Zweitligasaison leider weniger zur Geltung gekommen, war so schnell auf den Beinen, dass die Spieler der FSV in seinem Trikot bereits Usain Bolt mit der von Michael Jackson bekannten Hautkrankheit Vitiligo vermuteten. Aus sicherer Quelle erfuhr man jedoch später, dass der Spieler gesund ist und es sich wirklich um Jonas Erwig-Drüppel handelte. Wie von einer Tarantel gestochen sprintete er jedenfalls an allen vorbei zum 2:0. Überhaupt achtete die FSV in der Folge eher darauf, die Stimmung im Team von Eintracht Braunschweig ausgeglichen zu halten, ist doch bekannt, dass die Ersatzbank entscheidend für das erfolgreiche Abschneiden einer Mannschaft am Ende der Saison ist. Und so ließen sich Chengdong Zhang (3 Tore), Gianluca Korte (3), Raffael Korte (3) und sogar der nur den eingefleischten Eintrachtfans bekannte Lukas Kierdorf(2) nicht zweimal bitten und machten genau das, wofür die FSV sie an diesem Abend eingeladen hatte: Tore schießen, Selbstvertrauen tanken, die Stimmung aufbessern.

Zwischenzeitlich ließ die FSV noch einmal durchblicken, zu welchem Fußball sie in der Lage ist, wenn sie nur will: Nachdem sich Jonas Schmidt auf der rechten Seite wuchtig gegen Ken Reichel durchgetankt hatte, spielte er den Ball an Daniel Davari vorbei in die Mitte, wo Nils Brohme absichtlich den Ball durchlaufen ließ und ihn entgegen seiner normalen Gewohnheit (7 Saisontore) nicht im Tor unterbrachte, um auch die Abwehr der Eintracht mit einem guten Gefühl nach Hause reisen lassen zu können.

Ein Mann, der bei der Eintracht gerade in der ersten Halbzeit aber der beste war, fand hier noch gar keine Erwähnung. Damir Vrancic. Mit der Eleganz von Audrey Hepburn und der Dynamik, die der des im Moment so hoch gejubelten Neymar in nichts nach stand, dribbelte sich Vrancic durch die Reihen der FSV, spielte tödliche Pässe wie sie tödlicher nicht sein konnten und traf mit 2 wundervollen Toren sogar noch selber. Seine Grazie rundete diesen gelungenen Abend ab, sein Freistoßtor zum 9:0 in Minute 32 (ja, Minute 32,die FSV war aber noch anwesend) war so schön wie es sonst nur Mehmet Scholl hätte machen können.

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Eintracht Braunschweig fuhr an diesem Abend zufrieden nach Hause, haute am Wochenende danach Dynamo Dresden in Dresden mit 2:0 weg und spielte eine herausragende Halbserie mit der Herbstmeisterschaft Anfang Dezember als Lohn. Am 26.04.2013, wie gesagt, in Ingolstadt, trat Damir Vrancic nach einem Foul an Pierre Merkel aus 23 Metern zentraler Position zum Freistoß an. Von dem eleganten Bewegungsstil hatte er seit dem Spiel gegen die FSV nichts eingebüßt, im Gegenteil, er hatte ihn sogar optimiert. Aber wo besteht jetzt der Zusammenhang zwischen Ingolstadt und Adenbüttel/Rethen? Die Position, aus der Vrancic in Ingolstadt antrat, war exakt die Positon vom Tor gegen die FSV. Klar, es waren mehr Eintrachtfans in der Kurve hinter dem Tor vom FCI, aber Ingolstädter waren freilich nicht mehr da als Fans der FSV. Vrancic überlegte, wo er hin schießen sollte, erinnerte sich wieder an den Herbst des Vorjahres, Am Sportplatz  in 38533 Rethen, dachte sich: Genauso schießt du ihn, trat an und schlenzte den Ball wunderbar, wie Mehmet Scholl, über die Mauer in den rechten Winkel. Der Aufstieg stand fest und Vrancic musste sich mühen, den völlig euphorisierten Kollegen zu entkommen. Eingeholt, so die Legende, wurde er nur von Jonas Erwig-Drüppel alias „der weiße Usain Bolt“.

Wir von der FSV haben mit unserem Geheimnis lange zurück gehalten, wir wollten die Eintrachtmannschaft nicht in der Konzentration vor den wichtigen Spielen um den Aufstieg stören. Aber nun, da es vollbracht ist, liebe Eintrachtler, könnt ihr es zugeben. Es war jener Abend im Herbst 2012, an dem ihr den entscheidenden Grundstein für den Aufstieg in die erste Liga 1 gelegt habt. Die Fans besingen mittlerweile den Europapokal. Wenn ihr das schaffen wollt, meldet euch einfach Am Sportplatz  in 38533 Rethen. Unsere Türen stehen euch immer offen.

Bis dahin wünschen wir Euch einen guten Saisonstart gegen Werder Bremen, viel Glück in der ersten Liga und bedanken uns an dieser Stelle nochmal für den unvergesslichen Abend.